Aus der KirchenZeitung: Kreuze sichtbar machen

Aktion der KAB Aachen prangert an vielen Orten in der Stadt menschenunwürdige Arbeitsbedingungen an

IMG_3481 (002) (c) Ralf Linnartz
IMG_3481 (002)
Datum:
Do. 18. März 2021
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 11/2021 | Andrea Thomas

Der „Kreuzweg der Arbeit“ ist in Aachen eine feste Tradition. Eine, an der die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) gemeinsam mit ihren Partnern gerade auch in diesem Jahr festhalten will. Statt einem gemeinsam gegangenen Kreuzweg werden am 23. März in der Stadt verteilt Kreuze stehen, die auf prekäre Arbeitssituationen aufmerksam machen.

In der Arbeitswelt liegt schon seit vielen Jahren so einiges im Argen, seien es menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, Löhne, die nicht oder kaum zum Leben ausreichen, die Perspektivlosigkeit von Menschen ohne Arbeit oder die steigende Armut unter den Alleinerziehenden, Familien und Senioren. Die Pandemie hat all dies noch einmal in besonderem Maße sichtbar gemacht und an manchen Stellen noch verstärkt. „Die Situation von Beschäftigten in der Fleischindustrie, in der Pflege, im Verkauf oder bei Paketdiensten ist nicht neu, aber sie wird gerade stärker öffentlich wahrgenommen“, sagt KAB-Diözesansekretär Andris Gulbins, der die Aktion „Kreuze der Arbeit“ koordiniert. Die Krise treffe mit Wucht auf entsicherte Arbeitsmärkte und verschärfe die gesellschaftliche Spaltung. Die Debatte über systemrelevante Berufe habe beispielsweise die Diskrepanz zwischen gesellschaftlicher Unverzichtbarkeit und tatsächlicher Entlohnung sichtbar gemacht. Der Dankbarkeit seien jedoch bislang keine Taten gefolgt.

Gar nichts zu machen war daher nicht wirklich eine Option, als klar war, dass in der aktuellen Situation ein klassischer Kreuzweg nicht möglich sein würde. Ein digitales Angebot sei ihnen aber auch zu wenig gewesen, erklärt Andris Gulbins. „Unsere Kreuzwege waren bewusst immer öffentlich. Wir gehen als Christen in der Fastenzeit hin und machen das Kreuz sichtbar.“

Jedes Kreuz hat einen QR-Code
Die Idee an verschiedenen Orten im Stadtgebiet von Aachen Kreuze aufzustellen, die jeweils auf einen bestimmten Aspekt aufmerksam machen, habe sofort gezündet. Neben KAB-Gruppen aus den Gemeinden und den beiden Mitveranstaltern, dem Sachausschuss Kirche und Arbeiterschaft in den Regionen Aachen sowie der ökumenischen Citykirche, beteiligen sich unter anderem der Diözesanverband der katholische Frauengemeinschaft (KFD), das Eine-Welt-Haus und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Bis Redaktionsschluss sind 16 Kreuze zu verschiedenen Themen zusammengekommen. Die KAB-Eilendorf greift die Situation von Paketboten auf, die bei Wind und Wetter für wenig Lohn ungezählte Pakete in Zeitdruck verteilen müssen, die KAB Driescher Hof die Arbeitsbedingungen in der Altenpflege, die krank machen und familienfeindlich sind, bei einer Bezahlung, die gerade Frauen oft in die Altersarmut führt. Das Eine-Welt-Haus nimmt ungesicherte Arbeitsverhältnisse weltweit in den Blick, die KFD die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern, der DGB Aachen die Situation in der Fleischindustrie. In der Citykirche ist bereits ab dem 19. März auf dem Boden ein großes Kreuz ausgelegt, als Ort der Stille, der Klage oder des Gebetes. An jedem der Kreuze gibt es die Möglichkeit, sich über die jeweiligen Hintergründe zu informieren. Ein QR-Code führt auf die Internetseite der KAB, wo kurze Texte sowie die Standorte aller Kreuze hinterlegt sind.

INFO

Die Aktion „Kreuze der Arbeit“ findet am Dienstag, 23. März in Aachen statt. Am Abend um 19 Uhr gibt es zum Abschluss und Ausklang online eine Kreuzweg-Andacht. Dazu bittet die KAB um vorherige Anmeldung: telefonisch: 0241/4001860, per E-Mail: andris.gulbins@kab-aachen.de oder unter www.kab-aachen.de. Die Kreuz-Aktion in der Citykirche, an der sich jeder beteiligen kann, findet vom 19. bis zum 28. März statt.